Klassenfahrt – Tag 5 und Fazit

Ich hatte unterschätzt, wie sehr mich die Klassenfahrt „raushauen“ würde, dass ich nach 8 Wochen Schule überreif für die Ferien war und erstmal eine Woche nichts tun musste. Das wäre auch schon zum wichtigsten Fazit: Einen Klassenfahrt ist sehr anstrengend und wenn Lehrer eine mitmachen, dann tun sie das definitiv nicht für sich, sondern für ihre Schüler.

Ich weiß, dass in Bezug auf den Grad der Anstrengung noch Luft nach oben ist, deswegen will ich mich auch gar nicht zu laut beklagen. Die Jugendherberge war toll, die Zimmer für Lehrer angemessen groß, alles war sauber, das Essen war genug und reichhaltig, das Programm war gut organisiert, die Nächte weitestgehend ruhig (zumindest so, dass man ein bisschen Schlaf finden konnte, auch wenn man natürlich permanent in Habachtstellung ist, ob nachts irgendwas passiert, was nicht sein sollte). Naja, das Wetter war eher so mittel, aber diesen Risikofaktor hat man ja immer. 😉

Am letzten Tag standen alle Kinder kurz nach dem Frühstück pünktlich und fast alle mit gepackten Koffern bereit zur Abfahrt. Zwei Jungen hatten ihre liebe Not damit, alles wieder im Koffer unterzukriegen und diesen dann auch noch schließen zu können. Da war die Expertise der Mädchen gefragt, die kichernd, aber gerne ausgeholfen haben. Zwei Kinder haben sich auf der Rückfahrt übergeben müssen. Brillant vorbereitet, wie wir waren, konnten wir rechtzeitig Kotztüten reichen. Das Ziel war in Sicht.

Als meine Co und ich aus dem Bus stiegen wurde wir von fröhlichen, lachenden Eltern empfangen. Sie lachten uns aus. Wir sähen so fertig aus. Amüsierte Blicke gingen an Richtung Kinder: „Was habt ihr mit euren Lehrerinnen gemacht?“, die sich natürlich keiner Schuld bewusst waren. Alle wurden zeitnah abgeholt. Wir waren entlassen.

Jetzt einige Wochen später kann ich als weiteres Fazit sagen, dass die Fahrt bei den Kindern etwas bewegt hat. Sie nehmen sich deutlicher als Klasse wahr, nehmen mehr Rücksicht und arbeiten im Unterricht konzentrierter mit. Ich traue dem Ganzen noch nicht so richtig, bin aber vorsichtig optimistisch. 🙂

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Klassenfahrt – Tag 4

Ich hätte nicht gedacht, dass mich knapp eine Woche Klassenfahrt mit einer 6. Klasse trotz anständiger Vorbereitung für die Folgewoche so raushauen würde. Ein Wochenende zu schlafen war leider nicht ausreichend. So strauchelte ich die letzten Wochen so mich hin, das Tagesgeschäft anständig zu erledigen und die ersten Korrekturstapel abzuarbeiten – für irgendwas anderes war schlicht keine Zeit und so komme ich erst jetzt dazu, die letzten Dinge von der Klassenfahrt zu berichten.

Am vierten Tag stand eine Mountainbiketour auf dem Programm. Es regnete immer noch. Oder schon wieder. Es regnete mehr. Das hielt uns aber nicht davon ab, über Stock und Stein, durch Wälder und über Wiesen, über Schlaglöcher und durch riesige Matschpfützen zu fahren. Für die 6. Klässler ohne Vorerfahrung mit Mountainbikes war es gar nicht so leicht, die Gangschaltung und die Bremsen zu bedienen. Nicht selten kam es vor, dass sie sich, wenn das Treten der Pedale zu leicht oder zu schwierig wurde, weil der Boden sich veränderte, einfach fallen ließen und schieben wollten. Blöd nur, dass ich die Nachhut bildete und so allesamt immer wieder auf die Räder scheuchte. Und siehe da: irgendwann klappte es. Wer sich nicht über die Gangschaltung beklagte, nörgelte über das Wetter: „Es ist so kalt, ich spüre meinen Körper nicht mehr.“ Wenn einer damit anfängt, spüren auf einmal ganz viele nicht mehr ihre Hände, ihr Gesicht oder gleich den ganzen Körper. Abbrechen durften sie trotzdem nicht. Solange sie fahren konnten, war es wohl nicht schlimm genug. 😉 Am Ende sind wir trotz Kälte, trotz Nässe und trotz Schlammkruste den letzten Berg hochgefahren, ohne dass auch nur einer abgestiegen ist und das war für alle ein Erfolgserlebnis. Dass wir das überhaupt gemeinsam unter erschwerten Bedingungen durchgezogen haben, machte die Kinder im Nachhinein richtig stolz. (Zumal die nächste Gruppe aufgrunddessen ihre Tour kurzfristig abgesagt hatte. Ganz schwach!)

Die heiße Dusche danach war eine Wohltat, bevor die Kinder unter Anleitung eines externen Pädagogen verschiedene Teamspiele ausprobierten. Meine Co und ich durften zur Abwechslung in Beobachterposition wechseln. Wir spüren deutlich, dass unsere Klasse sich entwickelt. Einzeln sind alle nette Kinder, aber im Gruppengefüge gibt es immer wieder Differenzen. Und mit Differenzen meine ich Zickereien, Beleidigungen, Raufereien, fiese Nachrichten über Messenger. Inzwischen nehmen sie sich im Vergleich zum letzten Schuljahr deutlicher als Klasse wahr, das ist toll. Trotzdem zeigten die Teamspiele sehr deutlich, wo noch und welcher Arbeitsbedarf herrscht. Wir haben einige Ideen an diesem Tag entwickelt, wie wir das Gruppengefühl und den freundlichen Umgang miteinander weiter stärken wollen.

Für unseren letzten Abend sollte jedes Zimmer eine kleine Aufführung vorbereiten. Außerdem haben wir das sauberste Zimmer, die pünktlichste Gruppe und die beste Rallye geehrt. Der Abend war ein voller Erfolg geprägt von Tänzen, einer Quizshow, einer Comedyeinlage und einem Schauspiel. Für uns Lehrer ist es sehr wertvoll, diese Seiten der Kinder zu sehen, da wir sie im Alltag kaum zu Gesicht bekommen. Ich glaube, mit diesem Abschluss konnten wir alle zufrieden sein.

Klassenfahrt – Tag 3

Um am dritten Tag pünktlich zum Hochseilgarten zu kommen, mussten alle früher aufstehen. Ein erster Blick aus dem Fenster ließ die Laune vorerst sinken, denn es hatte die ganze Nacht geregnet (trotz anderer Vorhersage – auf nichts kann man sich verlassen) und nieselte weiterhin. Das könnte lustig werden.

Alle Kinder waren rechtzeitig wach, pünktlich beim Frühstück und schließlich am Treffpunkt. Das ging gut los. Und direkt wieder bergab. Ich hatte gerade die Zimmerschlüssel eingesammelt und eingeschlossen, als einem Mädchen einfiel, sie hätte ihre Regenjacke im Zimmer vergessen, dem nächsten fehlte die Kapuze, ein anderer Junge hatte sein Asthma-Spray nicht eingesteckt. Natürlich fiel es ihnen nicht gleichzeitig ein, sondern immer erst, nachdem ich bereits zum Schließfach zurückgegangen war, einen Schlüssel ausgegeben und kurz danach wieder eingeschlossen hatte. Manchmal deprimiert es mich, wie oft einige Kinder ihre Sachen vergessen und dass sie teilweise so wenig mitdenken.

Das zeigte sich auch erneut bei der Einführung im Hochseilgarten. Als alle die Ausrüstung angelegt und den Helm aufgesetzt hatten, erklärte uns der freundliche Mitarbeiter Sascha die Funktionsweise der Klettergurte. 3 Mal. 5 Mal. Hatten es alle verstanden? Natürlich nicht, auch wenn sie das glaubten und damit prahlten. Hochmut vor dem Fall und so. Ha ha. Ich glaube nicht, dass es böse Absicht war. Sie waren einfach unaufmerksam. So waren also sehr schnell zwei Kinder auf einem Hindernis, obwohl nur stets eine Person zeitgleich auf einem Hindernis sein sollte, ein Junge hakte sich falsch ein und hing lange herum, bis er abgeseilt werden konnte und zwei Mädchen gerieten auf ein viel zu schwieriges Hindernis, dass sie dezent in Panik verfielen. Durch gutes Zureden kamen sie nach einer Weile aber doch ans Ziel und konnten zurecht stolz auf sich sein. Nichtsdestotrotz machte das Klettern allen Spaß, trotz erschwerter Bedingungen durch das nasse, glatte Holz. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten mutierten einige regelrecht zu kleinen Äffchen, die munter von Baum zu Baum turnten. Feste Parcours gab es nicht, man konnte sich von jedem Hindernis aus selbst wählen, in welche Richtung man weiterklettern wollte.

Am Ende hatten alle wieder festen Boden unter den Füßen und wir marschierten weiter zu einem ehemaligen Bergwerk, wo wir eine Führung erhielten und viel Interessantes über die Arbeit unter Tage und den Abbau von Erzen erfuhren. Unsere Schüler benahmen sich vorbildlich und waren fasziniert von den glitzernden Bergkristallen, Amethysten und Rosenquarzen.

Den anschließenden Rückweg brachten wir zügig hinter uns. Danach gönnten wir allen (naja, v. a. uns Lehrern) Freizeit. Für den letzten Abend am Folgetag sollten die Kinder in Kleingruppen sich Aufführungen überlegen und proben. Später versuchten sie, Werwolf zu spielen, aber wie 11-/12-Jährige so sein können… sie waren sich nicht einig, wollten auf den gewählten Spielleiter nicht hören und viel zu viele Zusatzrollen bei viel zu wenig Spielern einbringen. Also übernahm ich auf Anfrage die Spielleiterposition unter der Auflage, dass wir erst einmal nur mit Werwölfen und Dorfbewohnern spielen und ich glaube, diese Spielrunde war mein Highlight dieser Klassenfahrt. Zwar recht streng von mir angeleitet, damit nicht alle durcheinanderschreien konnten, steigerten sich einige Jungen und Mädchen sehr überzeugend in ihre Rollen hinein, sodass die Diskussionsrunden, die ja den Kern des Spiels ausmachen, sehr spaßig wurden. Insbesondere die Werwölfe verstanden es, geschickt von sich abzulenken. Ich glaube, da schlummert das eine oder andere schauspielerische Talent.

Um halb 10 schickten wir alle auf ihre Zimmer. Sie sollten um 10 Uhr im Bett sein. Leider war einigen auch am dritten Abend immer noch nicht klar, dass „im Bett sein“ beinhaltete: Schlafanzug anzogen, Zähne geputzt, letzten Toilettengang erledigt haben. Liebe Eltern, können eure fast schon Teenager das wirklich nur auf einzelne Ansagen hin?

Wir merkten, dass die Schüler zunehmend müder und erschöpfter wurden. Wir aber auch…

Klassenfahrt – Tag 2

Herbergen haben in meiner Wahrnehmung oft etwas Kaltes, Altes, Abgenutztes, Ungemütliches. Auch unsere Herberge bildete da keine echte Ausnahme. Allerdings merkte man, dass in den letzten Jahren Sanierungs- und Renovierungsarbeiten unternommen worden waren und das Wichtigste war eh: Es war sauber. Ich freute mich außerdem sehr, ein Zimmer und ein Bad für mich alleine zu haben. (Der „Luxus“ für den Lehrer. Ich habe die ganze Verantwortung – dann möchte ich wenigstens eine eigene Dusche.)

An diesem Tag wollten wir die weiteste Wanderung unternehmen mit dem Ziel Sommerrodelbahn. Der Weg ging weitestgehend bergab, sodass Rico, der kleinste Junge mit den kürzesten Beinen, großspurig tönte, er wollte lieber bergauf laufen. Da war wohl jemand nicht in der Lage, den Rückweg zu bedenken… Während des Fußmarsches ergaben sich mit einigen Jungen lustige Gespräche über Filme und Serien und wir waren gegenseitig erstaunt und belustigt, ähnliche Interessen zu haben. Wenn man von einer Lehrerin Serienempfehlungen haben will… habe ich dann etwas richtig gemacht? Des Weiteren schienen sich die meisten Kinder an der Abgeschiedenheit des Ortes und der Natur zu erfreuen. Ein netter Urlaubsort – längerfristig hier leben wollte niemand, mich eingeschlossen.

Fast alle trauten sich, die kurvenreiche Rodelbahn alleine herunterzusausen, nachdem man per Lift zum Startpunkt transportiert worden war. Was mich noch mehr begeisterte: keine Verletzungen, kein Weinen. Wow.

Auf dem Rückweg merkte Rico dann, dass er besser hätte vorsichtig sein sollen mit dem, was er sich gewünscht hat. Unsere konditionslosen Schüler beklagten sich unaufhörlich über das Bergauflaufen und nutzten jede sich bietende Gelegenheit, sich hinzusetzen und möglichst lange dort sitzen zu bleiben. Wir Lehrer spielten Drill Instructor. Dabei machten wir eher die Figur eines Herdentreibers. Bei einem Café mit Souvenirladen erhielten die Kinder den Auftrag, eine Postkarte zu kaufen. Das Thema Brief war erst kürzlich im Unterricht behandelt worden und sie waren alle der Ansicht gewesen, dass analoge Post sehr schön wäre. Spontan orderte ein Kollege vier Kaffee und aktivierte den Ignorier-Modus. Alle Lehrer wurden an einen gemeinsamen Tisch gelotst und erhielten 20 min Pause. Keine Sprechzeit für die „wichtigen“ Anliegen der Kinder. Tatsächlich wurde das widerspruchslos hingenommen. Die Kinder platzierten sich in einiger Entfernung, guckten gelegentlich verstohlen zu uns herüber und unterhielten sich ansonsten leiste mit ihren Freunden.

Wieder zurück an der Herberge motivierten wir tatsächlich nochmal alle zu sportlichen Aktivitäten. Das Highlight war ein zusammengeknotetes Springseil und der Konkurrenzkampf untereinander, wie viele gleichzeitig die meisten Sprünge schafften. Später wurden Gitarren ausgepackt und gemeinsam Lieder gesungen. Trotz netter Stimmung war abends eine weitere Standpauke nötig, da einige Schüler den Zaun hinterm Haus nicht als Grenze des für sie zugänglichen Geländes akzeptieren wollten und andere die Bedeutung von „sich auf Fluren und Zimmern ruhig verhalten“ nicht zu verstehen schienen. Völlig erschöpft im Bett liegend stellte ich später fest, dass die angereisten Norweger zwischen 20 und 30, die inzwischen die Etage über uns bezogen hatten, die Bedeutung ebenfalls völlig schleierhaft zu sein schien…

Klassenfahrt – Tag 1

Pünktlich um 10:00 Uhr startete der Bus mit etwas über 50 Sechstklässlern, vier Lehrern, diversen Koffern und Taschen sowie Spielekisten, Musikinstrumenten und Unmengen an Süßigkeiten (den Vorschlag eines Obstkorbs meinerseits hat die Elternvertretung gepflegt ignoriert) in Richtung Harz. Die Fahrt verlief an sich reibungslos, allerdings waren die Geduld und das Benehmen der Kinder nach etwa 60 min erschöpft, sodass sie die folgenden 30 min durch sich steigernde Lautstärke und unaufhörliche Fragen an den Nerven der Lehrer und des Busfahrers zerrten. Auf „Wann sind wir daaaaa?“ und „Wie lange noooch?“ antwortete ich stets mit „In 10 Minuten“, wobei ich offen ließ, ob die nächsten 10 Minuten gemeint wären. Oder die übernächsten. Oder die überübernächsten. Es dauerte eine Weile, bis sie diesen Scherz durchschauten. Eine Klassenfahrt ist aufregend für 11- bis 12-Jährige, allerdings fand ich es doch bemerkenswert, wie schwierig es für die meisten war, sich ein bisschen zusammenzureißen und klaren Anweisungen zu folgen.

Unsere Herberge lag etwas außerhalb der nächsten größeren Stadt und machte einen guten ersten Eindruck, nicht zuletzt wegen des wirklich schönen Geländes und des sehr netten, zuvorkommenden Herbergsvaters und Kochs.

Nachdem die Zimmer und Betten (überwiegend selbstständig) bezogen worden waren, wurden die Schüler mit Fragebogen und Stift auf Erkundungstour geschickt, um u. a. herauszufinden, wie viele Schritte sie benötigten, das Fußballfeld zu umrunden oder einen Gegenstand zu finden, den sie in der Herberge nicht erwartet hätten. Damit waren sie eine Weile beschäftigt und wir Lehrer freuten uns auf kreative Antworten.

Vor dem Abendessen hatten die Kinder noch etwas Freizeit und sollten eigentlich zur Ruhe kommen. Stattdessen begann ein ereignisreicher Abend voller Genörgel, Tränen und Verletzungen. Klopfstreiche wurden gespielt, Zimmerplakate bekritzelt, Diebstähle begannen (Tshirts verschwanden ganz sicher (!) aus einer abgeschlossenen Duschkabine…), Gerüchte kamen auf, dass in der Holzhütte neben der Herberge ein gruselig aussehender Mann mit Maske gesichtet worden wäre. Es wurden also einige Gespräche und Ansagen notwendig.

Nach dem Abendessen tobten Lehrer und Schüler fröhlich gemeinsam auf dem Sportplatz und es entstanden sehr sehenswerte Klassenfotos auf und an den Kletterstangen, bevor der erste Einsatz eines Kühlpacks notwendig wurde (Pflaster waren bis zu diesem Zeitpunkt schon mehrere ausgegeben worden). Eine Schülerin war beim Fangenspielen gestürzt und konnte ihr Knie definitiv nicht mehr bewegen (!) und sie wäre auch ganz bestimmt auf die Schulter und den Kopf (!!) gefallen. Nach mehreren Telefonaten mit Ärzten und Notdiensten und der Beobachtung, dass dem Mädchen weder schlecht noch schwindelig wurde, kamen wir zu dem Schluss, dass es „nur“ eine Prellung bzw. ein Bluterguss am Knie war. Dennoch waren wir auch recht schnell überzeugt, dass sie so die geplanten Aktivitäten nicht würde mitmachen können und so riefen wir noch am ersten Abend die Eltern zwecks Abholung an…

Entgegen einiger Befürchtungen verlief die erste Nacht – mit Ausnahme eines gackernden Mädchenzimmers – ruhig und niemand ließ sich nachts im falschen Zimmer erwischen. Allerdings würden ja noch drei weitere Nächte folgen…

Wohn- und Arbeitsplatz

Manchmal scherze ich mit meinen Schülern darüber, dass wir Lehrer tatsächlich in der Schule wohnen. Nur zum Schein verlassen wir nachmittags das Gebäude und winken fröhlich, wenn wir in unsere Autos steigen oder Richtung Bahnhof spazieren. In Wirklichkeit fahren oder gehen wir nur einmal um den Block, um dann in die Schule zurückzukehren. Freunde, Freizeit, Hobbys haben wir schließlich nicht. Im Lehrerzimmer werden dann jeden Abend Betten aufgebaut und gelegentlich – ganz selten natürlich – schauen wir alle gemeinsam einen Film in der Aula. An anderen Stellen streue ich das Gerücht, dass wir Cyborgs sind und uns nachts nur mit einer Steckdose verbinden müssen. Das ermöglicht es, parallel zu arbeiten, über Nacht X Klassenarbeiten, Arbeitsblätter, Folien, Präsentationen, Facharbeiten, Hausaufgaben zu konzipieren und/oder zu korrigieren und am Folgetag wieder quietschfidel vor unseren Klassen zu stehen. Meine Schüler und ich lachen dann herzlich über diese lustigen, lustigen Scherze.

Und dann gibt es diese Tage, die sich so anfühlen, als wohnte man tatsächlich in der Schule, abgesehen davon, dass das Bett woanders steht. Lange Unterrichtstage, Elternabend hier, Fachkonferenz da, immer bis in die Abendstunden, dass man zum Schlafen zwar wegfährt, aber nach dem Aufstehen umgehend zurückkehrt. Man hat mehr Lebensmittel im Kühlschrank des Lehrerzimmers als im heimischen, das Arbeitszimmer ist halb mitumgezogen und eigentlich fehlt nur noch, dass man sich einen Spind mit Wechselkleidung einrichtet oder während der Wartezeit an manchen Nachmittagen tatsächlich einen Film laufen lässt. Da wünscht man sich fast, doch ein Cyborg zu sein, der mit ein bisschen Strom zufrieden wäre und keine Bedürfnisse nach Menschen und Tätigkeiten außerhalb des Schulbetriebs hätte.

 

 

(PS: Ich bin heute zufällig über meinen PU-Entwurf gestolpert und habe festgestellt, dass meine Prüfung heute genau ein Jahr her ist. Wahnsinn. ^_^)

Media Monday #304

Auch wenn strenggenommen schon Media Tuesday ist, erlaube ich mir dennoch, diesen Beitrag zu posten, weil mir das Thema so gut gefällt.

media-monday-304

  1. Der Welttag des Buches war mir bisher nur vage bekannt. Shame on me.
  2. Bücher zu verschenken ist etwas, das ich schon seit Jahren gerne tue. Weil ich selbst von klein auf so gerne und so viel gelesen habe, war es mir oft unbegreiflich, dass einige Menschen in meinem direkten Umfeld das nicht getan haben. Insbesondere für sie habe ich sehr gerne Bücher ausgesucht und tue es nach wie vor. Dabei mache ich mir oft lange Gedanken, recherchiere eine Menge, was für den Empfänger ein passendes Buch sein könnte, das die Leselust steigert.
  3. Lesen ist für mich ein immenser Bestandteil des Alltags. Natürlich spielt dabei nicht nur (fiktionale) Literatur eine Rolle, sondern diverse Formen verschriftlichter Informationen.
  4. Am liebsten lese ich gute Fantasyromane. Aber auch das Stöbern in/auf Blogs hat es mir angetan. Überaus gerne lese ich außerdem das eine oder andere populärwissenschaftliche Buch oder einen entsprechenden Artikel aus den Bereichen Naturwissenschaften, Gesundheit oder Psychologie. Überhaupt hat mich das Germanistikstudium ein bisschen in Richtung Sachbücher getrieben, weil sich irgendwann ein Analyseautomatismus in Bezug auf erzählende Literatur eingestellt hat, den ich teilweise damit umgehe, Literatur auf Englisch zu konsumieren.
  5. Das Buch Die Seiten der Welt – Blutbuch hat mich zu einem heulenden Häufchen Elend gemacht, als ich ans Ende kam und gleichzeitig sehr glücklich gemacht, weil es vielschichtig und clever Bücher, die Magie von Geschichten und das Lesen selbst thematisiert und insbesondere magische Nebencharaktere hatte, über die ich mich gefreut habe.
  6. Und weil ja auch Welttag des Bieres heute ist: Bier trinke ich tatsächlich gerne, was mir auf Familienfesten regelmäßig verständnislose Blicke meiner Mutter und den Kommentar: „Du bist genau wie dein Vater“, einbringt, weil ich mit ihr nicht mit Sekt anstoße (Sekt, igitt!).
  7. Zuletzt habe ich Abiturklausuren gelesen und das war anstrengend, weil die Korrektur einfach lange dauert und es ein groteskes Puzzlespiel ist, die Ausführungen mit dem Erwartungshorizont und angemessenen Punkten in Einklang zu bringen. Als nächstes lese ich über Freuds Psychoanalyse.